Pakistan Juni

 

 

Auf dem Weg zurück nach Gilgit finden wir zufällig das Diran Guesthouse in Minapin.

36°15'09''N 74°32'22''O

Es ist in kleines Paradies. Es gefällt uns so gut, dass wir einigen Tage bleiben wollen. Rumhängen, spazieren gehen, gut Essen, mit netten Leuten reden, Kirschen von Baum pflücken, das wäre es schon. Am nächsten Tag machen wir einen kleinen Spaziergang oberhalb des Dorfes.

Da war das magische Wort “Spazierengehen“. Ellen liebt lange Spaziergänge und ich denke immer, warum haben wir das Zweirad erfunden? Irgendwann vor vielen, vielen Jahren habe ich in meinem jugendlichen Übermut gesagt: “Wenn ich mal in “das Alter“ komme fange ich mit Wandern an“.

 

 

Wir stehen früh auf und laufen los. Da wir in den Bergen sind und ich jetzt in “dem Alter“ bin ist es jetzt so weit. Eigentlich würde ich viel lieber auf einem Trial Motorrad versuchen wie weit ich komme. Heute wollen wir Richtung des Basecamps des Rakaposhi laufen. Nach ein wenig Flachland durch das Dorf geht es in Serpentinen steil bergauf, die Landschaft ist erst recht karg bis wir auf die erste Anhöhe kommen. Unglaublich wie hoch wir schon sind, die Häuser sehen aus wie aus einem Flugzeug betrachtet. Die Luft wird dünner, ich roter aber auch Ellen muss sich anstrengen. Wir passieren einen wunderschönen Wald, seitlich sind Wiesen zu sehen, über uns die Gletscher mit ihren Bergen. Eigentlich sind wir müde aber irgendein Ziel wollen wir schon erreichen, also laufen wir langsam weiter. Wir schnaufen wie die Dampfmaschinen und wieder ein paar Schritte steil bergauf. Ich staune über mich selber, was treibt mich immer weiter den Berg hinauf? Nach gefühlten 10T Höhenmetern erreichen wir Hapakun, ein kleines Häuschen mit der Möglichkeit etwas zu essen und trinken, auch eine Übernachtung ist hier möglich. Nach einer ausgiebigen Pause, die letzten 2-3 Stunden zum Camp sind uns definitiv zu viel, machen wir uns an den Abstieg. Der Weg zurück ist steil und lang. Das sind wir alles hoch gelaufen? Unglaublich! Am Ende des Tages sind 14 Kilometer aufgezeichnet als wir wieder von 3000 auf 2000 Meter ankommen. Falls es jemand interessiert, es ist uns gut bekommen und auch der nächste Tag war Beschwerdefrei.

 

 

Robert und Melanie haben die letzten Tage in Skardu und Umgebung verbracht. Jetzt sind sie auch hier im Diran Guesthouse, es gibt wieder viel zu erzählen. Der Ramadan fängt an aber wir bekommen auch tagsüber Essen, es gibt Ausnahmen für Reisende.

Mit der Ina fahren wir etwa 25 Kilometer nach Aliabad zum einkaufen, während sich die beiden auf ihre 8 Tage Tour auf 6000 Meter Höhe vorbereiten. Wir sind gespannt was sie zu erzählen haben!!

 

 

Mit unsere Ina fahren wir über den wunderschönen Karakorum Highway Richtung Norden bis zum Abzweig Shimshal Valley. Ab hier geht es offroad zwischen den Bergen immer weiter ins Tal. Auf der schmalen Piste mit Felsüberhängen hätte unser Ino keine Chance. Wir wechseln mehrfach über Hängebrücken die Seite und folgen dem Bach. Nach etwa 30 Kilometern öffnet sich das Tal ein wenig und plötzlich stehen wir vor einer Wasserdurchfahrt. Das Wasser schießt ins Tal und ich bin mir nicht sicher ob das gut geht. Naja, für solche Fälle haben wir ja die Gummistiefel dabei, die sehr gut dichthalten. Nach der Durchfahrt kommt kein Tropfen Wasser aus den Stiefeln. Erst als ich das Bein hochnehme laufen die Stiefel leer. Ellen steht auf der anderen Seite und ich denke mir: 'Wie sollen wir hier am Nachmittag zurückkommen wenn das Wasser gestiegen ist?' Sicher ist sicher, wir kehren um. Ich suche mir eine andere Spur aus, in der Hoffnung ein wenig flacheres Wasser zu erwischen. Das Vorderrad taucht ein, versetzt durch die Strömung ein wenig und ich denke, das war's. Irgendwie schaffe ich es doch auf die andere Seite zu kommen. Die Stiefel wieder voll Wasser aber der Motor hat es überlebt ohne Wasser anzusaugen, obwohl er komplett unter Wasser war (ist halt eine HONDA!!!). Auf dem Rückweg genießen wir die tolle Landschaft und machen ein paar Bilder und Video's.

 

Hier ein kleines Video über den Ausflug

 

 

Es wird uns hier nicht langweilig. Der Parkplatz vom Continental Hotel in Gulmit ist eine gute Anlaufstelle. Sehr gute lokale Küche und sehr nette Mitarbeiter.

36°23'26''N 74°51'59''O

Wir besuchen das Elternhaus von Sayed und seinem Freund Fazal in Gulmit. Es sind klassische Häuser mit einem großen Raum mit Teppichen und Decken ausgelegt, hier wird auch geschlafen. Nebenan ist die Küche, in der zentral ein Ofen steht. Wir werden zum Essen eingeladen und freuen uns über die Gastfreundschaft. Die Häuser liegen am Hang mit kleinen Feldern umgeben die, für unsere Verhältnisse, sehr schwer zu bearbeiten sind. Gulmit mit seinen netten offenen Menschen, schönen Häusern und der wundervollen Natur machen uns Spaß.

Wir treffen 2 malaysische Motorradfahrer-Paare mit BMW 800 auf dem Weg Richtung China. Wir verbringen die gemeinsame Zeit mit viel erzählen. Am nächsten Tag helfe ich ein wenig die Behelfstütze an der BMW 800 umzubauen, damit Ivan sicherer mit seinem kaputten Bein auf und absteigen kann. (Jetzt haben wir auch eine 'Anlaufstelle' in Malaysia!)

Inzwischen haben wir hier ein kleines Motorradtreffen. Peter und Leonie aus Holland (www.amsterdamtoanywhere.nl) auf ihren 2 Honda 250 Enduro's sind auf verschiedenen Kontinenten unterwegs gewesen und jetzt auf dem Heimweg so wie Stefan und Kerstin auf ihrer BMW (www.einspurig-reisen.de). Wir verbringen eine unterhaltsame Zeit bis sie alle Richtung chinesische Grenze aufbrechen.

Robert und Melanie kommen nach 8 Tagen leicht abgemagert aber gesund von ihrer Trekkingtour zurück. Sie haben es auf den 6100 Meter hohen Mingli Sar geschafft! Robert hat als erster Mensch mit seinen Skiern die Abfahrt vom Gipfel gewagt, 15 Minuten später stand er 1000 Meter tiefer im Tal!

 

 

Mir ist es nach Wurst, am besten so ein leckeres Brot mit Leberwurst. Die Vorräte sind schon seit Monaten alle und hier gibt es so etwas nicht. Was tun, ganz “einfach“, wir machen die Wurst selber, das Brot backen wir ja auch schon. Rezept aus dem Internet, ein frisches Huhn mit Innereien gekauft und schon legen Melanie und Ellen los. Die Leber wird angebraten, teils werden die Hühnerteile zerkleinert, teils kleingeschnitten beigemischt, würzen, über eine Stunde einkochen und schon ist die leckere Wurst fertig (schmeckt echt gut). Aus dem restlichen Huhn machen wir panierte Schnitzel, im Restaurant bestellen wir eine Platte voll Pommes. Irgendwann ist jeder Magen am Ende, unserer am nächsten Tag. Das viele Fett, zumal wir mittags auch noch so leckeres Fettgebackenes in der Stadt geholt haben. Der Magen bekommt einen Tag Auszeit, das sollte reichen, tut es auch, die Wurst heben wir uns auf, danke Melanie!

 

 

Melanie und Robert sind schon mal los, sie brauchen ein neues Indien Visum aus Islamabad. Wir fahren weiter Richtung Naran. Der Barbusar Pass ist seit ein paar Tagen offen, darauf haben wir schon gewartet. Der Karakorum zeigt sich von allen Seiten, aus traumhafter Landstraße wird eine Schlaglochpiste bis es zum Pass abgeht. Wir fahren immer höher durch eine Gegend mit Terrassenartig angelegten Feldern, bis auf knapp 4200 Meter. Unterwegs wird jedes Schneefeld in Stücken abgetragen und in alles was Räder hat verstaut. Im Tal freut sich jeder über das Kühle aus den Bergen. Wir passen gerade so durch die Schneewände, die meisten LKW's sind nicht so breit. Bei einer Wasserdurchfahrt bekommt der Hinterradreifen wieder mal einen Schnitzer in die Flanke, hoffentlich hält er noch ein wenig. Unterwegs gibt es immer was für's Auge, viele Mercedes Hauber, hier auch mit Allrad, ausgebaute Getriebe liegen vor dem LKW mitten auf der Landstraße oder einfach die schönen alten Laster.

 

 

Über Naran geht es nach Islamabad. Wir verbringen hier noch 2 Tage, gehen abends in die Stadt essen und treffen einige Bekannte, die wir aus dem Norden kennen. In Pakistan fahren die am schönsten geschmückten LKW's. Ganz ohne Schmuck wollen wir das Land auch nicht verlassen also ab nach Rawalpindi zum einkaufen. Leider sagt das Navi jetzt rechts, die eigentlich breit aussehende Straße wird immer schmaler und der Ino kann sich schließlich nur noch im Schritttempo fortbewegen. Mopeds müssen zur Seite gehoben , Stände verschoben werden, ist aber alles kein Problem! Auch hier ist es wieder unglaublich, wie nett die Menschen sind. Wir kommen an den Geschäften an und können uns gar nicht satt sehen, wer mehr sehen möchte, kann auch unter "Truckart Pakistan" nachschauen. Wir wollen nicht den ganzen Ino dekorieren aber ein paar Kleinigkeiten nehmen wir mit. 

 

 

Als allerdings der VW Bus seltsame Geräusche macht wird es ernst. So geht es auf keinen Fall weiter, Robert telefoniert mit dem VW Club. Unglaublich hilfsbereit holt uns ein Mitglied ab und bringt uns in eine “VW Werkstatt“. Der Schrottplatz voller alter VW's macht nicht gerade zuversichtlich, aber der Fehler ist schnell gefunden. Der Gummi in der Kurbelwellenriemenscheibe hat sich verabschiedet, eigentlich muss eine neue her. Geht nicht, die beiden müssen in zwei Tagen das Land verlassen und hier gibt es keine einzige VW Vertretung. Das Spezialwerkzeug zum festhalten der Riemenscheibe wird schnell aus einem alten Steckschlüssel und einem Pleuel hergestellt. Ein Fachmann soll die Riemenscheibe instandsetzen können. Kann er aber leider nicht! Notlösung, die Teile werden miteinander verschweißt. Hält übrigens schon seit einigen Kilometern. Zwischendurch kommt ein Bekannter vorbei, ich denke das ist doch kein VW Geräusch, ist es auch nicht. Im T2 Bus werkelt jetzt ein Toyota Motor. Geht nicht, gibt es hier nicht. Am nächsten morgen geht es Richtung Grenze. 

 

 

Jetzt heißt es Abschied nehmen. Über die Autobahn erreichen wir schnell Lahore und den Grenzübergang Wagha Border. Die Zeremonie wollen wir uns nicht entgehen lassen. Was für ein Spektakel, auf beiden Seiten der Grenze sind Tribünen aufgebaut und "Einheizer"sorgen für Stimmung bei den zahlreich Erschienenen. Es ist schon ein wenig kitschig bis die Flagge eingeholt ist, aber die gegenseitigen Drohgebärden und der Applaus vom Publikum bringt eine gewisse Stimmung. Wir wollen an der Grenze übernachten, was gar nicht so einfach ist, das PTDC Hotel ist geschlossen und niemand will die Verantwortung für uns übernehmen. Als wir ins Bett gehen klopft es an der Tür und wir müssen nach längerem Diskutieren etwas zurückfahren und uns vor eine Soldaten-Unterkunft stellen. Das wird eine der heißesten Nächte unserer Reise, bei Temperaturen tagsüber deutlich über 40° wird es auch nachts kaum kühler, die Luftfeuchtigkeit tut ihr übriges. Am Morgen ist das Bett so nass als hätten wir die Luke im Regen offen gelassen. Das erste T-Shirt am Morgen ist nach 5 Minuten durchgeschwitzt, Tauwetter für Dicke!!!

 

Es sollten 5 Tage werden um nach Indien zu kommen, es wurden zwei wunderschöne Monate in Pakistan!

Jetzt geht es weiter nach Indien, wir werden berichten.