VAE, Iran im April

 

Die nächsten Tage verbringen wir mit Besorgungen und einigen Arbeiten am Ino. Für das Iran Visum haben wir die Referenznummer beantragt, dann ist es von einem auf den anderen Tag hier zu bekommen. 

Wir verlassen Sharjah und fahren nach Dubai. Man beachte die Fahrzeugsicherung auf den Holzbooten.  

Der Strand an der Sufouh Beach ist schon fast eine Heimat, mitten in der Stadt und doch sehr schön. Die letzten Tage gab es ein wenig Regen und 15° Abkühlung, bei knapp über 20° lässt es sich hier gut aushalten. 

 

 

Wir fahren zu Mr. Munir und seine Firma Hinyam Steel, wo wir die nächsten zwei Tage bleiben. Wir werden reichlich vom hauseigenen Koch mit Essen versorgt. Wir übernachten vor der Firma mitten im Industriegebiet. Am nächsten Morgen fahren wir gemeinsam zu einem pakistanischen Restaurant zum frühstücken. Es ist sehr lecker, fast alles ist für uns fremd aber als Vorgeschmack auf Pakistan macht es neugierig.

In direkter Nachbarschaft gibt es die Firma Spotless Graphics. Alle sind sehr nett, wir machen uns gleich am Computer an unsere Idee mit der Weltkarte. Der Aufkleber wird besprochen und morgen soll er angebracht werden. Gesagt getan, wir haben jetzt eine Weltkarte am Ino. Jetzt können wir allen Interessierten unsere Route direkt zeigen.

In Munir's Firma wird viel mit Edelstahl gearbeitet, er lässt für uns insgesamt 3 Teile in Edelstahl fertigen, ich bin begeistert!

Wir schauen uns seinen kleinen Suzuki an, erstaunlich was alles auf kleinstem Raum platz findet, alle Teile sind selbst gefertigt, natürlich in Edelstahl. Ellen ist besonders von dem Halter mit integrierter Nussschale angetan. Das Auto ist fertig und bald geht es Richtung Europa los.

Am letzten Abend lädt uns der Manager zu sich ein. Auf dem Tisch stehen pakistanische Gerichte in allen Variationen, seine Frau hat sicher den ganzen Tag in der Küche gestanden. Wir probieren alles, versuchen uns ein paar Namen zu merken, Pakistan kann jetzt kommen!

 

Wir möchten uns jetzt nochmal ganz herzlich bei der Firma Hinyam Steel und Spotless Graphics für ihre Arbeit bedanken!!!

 

 

Zurück an der Sufouh Beach probieren wir gleich unseren neuen Windschutz für den Außenkocher aus und genießen die schönen Sonnenuntergänge.

Die Referenznummer für das iranische Visum ist jetzt auch da und so hoffen wir schnell das letzte Visum für die Weiterreise zu bekommen.

Es wird ja auch langsam Zeit die Komfortzone zu verlassen und neue Abenteuer zu suchen.   

 

 

Das Iran Visa ist innerhalb eines Tages erteilt und das Ticket für die Überfahrt ist auch schon gekauft. Naja, es geht nicht alles immer glatt. Heute musste ich trotz längerer Diskussion für unsere Ina extra bezahlen, obwohl sie in der Garage steht. Die Nebenkosten wurden fast halbiert und so müssen wir "nur" etwa 200.- Euro mehr bezahlen. Die nächste Fähre fällt aus, wahrscheinlich die übernächste auch und so haben wir noch ein paar nette Tage am Strand. 

Jetzt muss ich noch ein Ladegerät auftreiben, auch so etwas geht mal kaputt und alles wird gut.

 

 

Eine Reise ist nie langweilig. Mitten in Dubai ein Plattfuß oder der Versuch das Land zu verlassen... 

Jetzt aber der Reihe nach. Das erste Schiff fällt aus, nicht schlimm unsere Freunde aus Deutschland besuchen Dubai und wir haben etwas mehr Zeit, wir lassen sogar das Ticket umschreiben, so wird alles entspannt. Es ist wie Weihnachten, ein Koffer voller Mitbringsel aus Deutschland, auch der neue Wandler ist dabei. Wir genießen die Zeit und erinnern uns an gemeinsame Erlebnisse, Endurofahren, sich auf der Rennstrecke austoben, es war eine echt geile Zeit! Vielen Dank an Pierre, Sabine, Laura und Leni!

 

 

 

Den Wandler tausche ich aus und siehe da: Ich konnte das defekte Ladegerät wieder zum leben erwecken.

Am letzten Tag kaufen wir noch Lebensmittel ein und fahren wieder zu Stephan. Wir wissen schon wie die Waschmaschine funktioniert und das Essen am Abend lässt keine Wünsche offen. Stephan, wir möchten uns noch einmal ganz herzlich bei dir und deiner Familie für die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft bedanken!!!

 

  

Am nächsten Morgen halten wir noch mal kurz bei Munir , wünschen ihm eine gute Reise nach Europa und fahren Richtung Hafen. 

Was ist das? Der Ino verliert Luft, der Kompressor schafft es gerade die Bremse offen zu halten. Nein, irgend jemand möchte nicht, dass wir dieses Land verlassen. Wir entscheiden uns die Tickets wieder umzuschreiben. Hier gibt es alle Teile, falls etwas ernstes defekt ist. 

 

 

Naja, der Fehler ist eigentlich schnell gefunden, eine Luftleitung zum Sitz hat bedingt durch Altersschwäche ihren Dienst quittiert. Ein Griff in das Ersatzteillager und schon fährt er wieder, Glück gehabt.

Jetzt haben wir noch einmal zwei Tage und genießen diese mit einigen Impressionen aus Dubai.

Dann wird es aber wirklich Zeit weiterzureisen!

 

 

Ein wenig nachtanken und schon sind wir am Hafen. Auf wiedersehen Dubai heißt es jetzt, mit einem weinenden und einem lachenden Auge.

Die Prozedur im Hafen ist eigentlich schnell erledigt. Das Wort "eigentlich" hat manchmal eine besondere Bedeutung. Hier ist es im Vergleich zu Bandar Abbas sehr gut organisiert. Wir bekommen unser Carnet wieder und stellen fest, dass eine falsche Seite herausgetrennt wurde. Ich laufe quer durch den Hafen, einem Agenten folgend, zum Custom. Der Fehler ist korrigiert und jetzt gemeinsam zur Immigration. Es dauert keine Minute und wir haben die Stempel im Pass, jetzt sollen wir warten bis der Bus uns abholt, da das laufen im Hafengelände verboten ist (wir sind hingelaufen, vorher bin ich noch etliche Kilometer im Hafen herumgelaufen um alles zu erledigen). Plötzlich sollen wir bei einem anderen Beamten die Pässe noch einmal vorlegen. Längere Diskussionen untereinander, die Beamten scheinen ein Problem zu haben, ich frage was los sei? Overstay heißt das Thema, mehr als 90 Tage sind in 6 Monaten nicht drin. Ich hatte aber einige Tage vorher im Office nachgefragt und grünes Licht bekommen. Es wird telefoniert, wir sehen nicht mehr so entspannt aus, jeder Tag Overstay kostet etwa 25.- Euro pro Person. Etwa eine halbe Stunde später, wir sind die letzten im Saal heißt es “Ok, there is a mistake in System, you can go“. Da fällt uns ein Stein vom Herzen. Mit etwa einer halben Stunde Verspätung legt das Schiff, mit uns an Bord, ab.

 

 

Fazit UAE und Oman

Fünf Monate haben wir uns in den beiden Ländern aufgehalten, wer hätte das gedacht?

Vorab, der Oman hat uns sehr gut gefallen.

Nach dem Iran war das Ankommen in UAE eine große Umstellung, alleine die Skyline auf der achtspurigen Stadtautobahn, wir fühlten uns mit unserem 4x4 LKW irgendwie deplatziert. Am Strand angekommen genossen wir die Freiheit baden zu gehen wie es einem gefällt. Der knappste Bikini sowie die voll bekleidete Gläubige nebenan, alles geht. Die Stadt und das Land ist modern und sicher, man bekommt hier wirklich fast alles. Kaum aus der Stadt draußen bekommt der Offroad Fan Spaß pur, Sand soweit das Auge reicht.

Die Locals sind in der Minderheit, fast alle hier sind Ausländer. Die Expats verdienen gutes Geld, die “Pakistanis“ eher nicht. Wir haben sehr nette Locals kennengelernt allerdings stört uns die mangelnde Wertschätzung und der dementsprechende Umgang mit den Angestellten. Das eine oder andere mal hätte ich schon gern meinen Senf dazugegeben.

Im Oman fühlten wir uns gleich wohl, die Menschen sind stolz auf ihre Kultur und sehr gastfreundlich. Das Land hat eine wunderschöne Natur und wir finden die schönsten Stellplätze. Das Reisen ist so entspannt wie in kaum einem anderen Land. Es gibt natürlich auch Schattenseiten, es ist schon eine Schande wie verschmutzt die Strände der Küste entlang sind. Es gibt leider überhaupt kein Umweltbewusstsein, jeder wirft seinen Müll einfach weg. Trotzdem werden wir dieses schöne Land sicher wieder bereisen, zwei Monate sind einfach zu kurz um alles zu sehen!

 

 

Am nächsten morgen erreichen wir Bandar Abbas bei absolut ruhiger See. Wir dürfen im Ino schlafen und so haben wir die Luxuskabine gebucht.

 

 

Ankunft Bandar Abbas. Kurzversion: Wir sind in 6 Stunden aus dem Hafen.

 

Die 6 Stunden hier ein wenig ausführlicher:

 

Das Schiff legt an, wir sollen die Pässe im Schiff abgeben, bekommen sie später wieder. Nachdem einige Beamte im Schiff eintreffen dürfen wir das Schiff verlassen und gehen gemeinsam mit allen Passagieren zur Passabfertigung. Wir sollen warten bis alle abgefertigt sind, so schauen wir den Männern und getrennt anstehenden Frauen zu. Wir kommen ins Gespräch mir einem Sicherheitsbeamten, er hat sich schon beim letzten Besuch im Hafen mit uns unterhalten. Etwa 45 Minuten später werden wir gebeten ins Büro des Leiters zu kommen und sollen einen Fragebogen ausfüllen, der die Belange der Touristen erfasst. Machen wir brav, die Hälfte bleibt leer. Jetzt geht es los. Wir warten auf einen Beamten, der unsere Pässe abstempelt, nichts passiert. Nach mehrmaligen Nachfragen bekommen wir unsere Pässe. Unser Sicherheitsbeamte ist sich des Chaos im Hafen bewusst und zeichnet einen Plan mit acht Stationen, die nacheinander angelaufen werden müssen. Ja Prima, das ist ja jetzt einfach! Leider scheitern wir schon an der ersten Station. Ein uns folgender kleiner Iraner, keines Wortes Englisch mächtig versucht uns das Telefon zu geben. Es stellt sich heraus, dass er als Agent fungieren möchte. Wir einigen uns auf 35 Dollar, falls er alles innerhalb 4 Stunden erledigt, sonst gibt es kein Geld. Wir folgen ihm, erst werden Kopien gemacht, dann geht es weiter zum ersten Schalter. Anträge werden ausgefüllt, sicher die Hälfte falsch, da keine Verständigung möglich. Die Frau am Schalter erklärt was noch vorher gemacht werden muss. Inzwischen ist ein völliges Chaos in den Unterlagen, alles vermischt, das wird lustig! Der kleine Iraner kommt jetzt schon an seine Grenzen. Das hin und herlaufen zu anderen Schaltern und warten vor geschlossenen Büros bringt auch keine Hilfe, die Zeit vergeht. Wir füllen jetzt etwa das dritte mal das gleiche Formular aus, natürlich mit wechselndem Inhalt, sonst wird es ja langweilig. Plötzlich erscheint ein neuer Spieler in der Arena. Ein junger iranischer, englisch sprechender Broker will uns helfen. Tatsächlich bekommt er etwas Ordnung in die Papiere und wir laufen zwar auch einige male umsonst diverse Büros ab aber irgendwann bekommen wir die abgestempelten Carnet wieder. Zwischenzeitlich sollten wir die Fahrzeuge bis zum Tor vorziehen, in diesem Rahmen werden die Fahrgestellnummern kontrolliert und der Ino von innen besichtigt. Jithin, unser indischer Freund aus dem Oman fährt mit seiner Moto Guzzi immer in der Nähe mit. Weiter geht es mit einen anderen Büro, weiter verhandeln, Formulare ausfüllen und warten. Unser kleiner iranischer Agent hat sich eigentlich zwischenzeitlich verabschiedet, ist jetzt aber wieder mit im Spiel und fährt uns mit seinen schrottreifen Taxi zu den verschiedenen Abteilungen. Ich denke mir, hoffentlich schaffen wir das alles bis heute Abend. Nach dem wir bezahlt haben geht es weiter an die Fahrzeuge, die gewogen werden, danach verschwinden die zwei in den weiten des Hafens um eine halbe Stunde später mit weiteren Unterlagen zu erscheinen. Gemeinsam fahren wir aus dem Hafengelände zum Zoll. Wieder warten, einige Gebühren zahlen die beiden mit ihrer Karte. Jetzt sollen wir tatsächlich die Fahrzeuge aus dem Hafen fahren, der Optimismus meldet sich, ja wir schaffen das! Wir stehen jetzt außerhalb des geschlossenen Bereiches aber immer noch im Hafen. So schnell geben die Bürokraten nicht auf. Unterschrift in einem dicken Buch, wofür auch immer, ich kann das alles sowieso nicht lesen. Es scheint die letzte Station zu sein, die Ausfahrt vor Augen verhandeln wir noch den Preis für alles, in Anbetracht der sehr hohen Temperaturen werden wir uns schnell einig und tatsächlich keine 6 Stunden später verlassen wir den Hafen. Ich spüre wie mir der Schweiß den verlängerten Rücken hinunterläuft aber es ist geschafft.

In den 6 Stunden habe ich erfahren, dass man jetzt Auto's in den Iran importieren sollte, die Geschichte von Iran wurde ein weiteres mal vertieft und, ganz wichtig: man sollte nie den Humor verlieren!

 

 

Wir verlassen Bandar Abbas Richtung Kerman. Etwa 30 Kilometer nördlich liegt der Geno Park mit seinen heißen Quellen. Dort finden wir einen Stellplatz für die Nacht. Am Nachmittag sind es 43° (die Klimaanlage quittiert ihren Dienst - die Fenster gehen einfach nicht weiter auf!) im Ino, alles fühlt sich warm an, sogar die Campingstühle im Schatten. Am späten Nachmittag machen wir einen Spaziergang im Park.

27°26'46''N 56°18'21''O

Weiter geht es kontinuierlich bergauf. Wir kommen auf über 2500 Meter Höhe und die Temperaturen fallen. Trotz Schnee auf den Bergen brauchen wir keine Schneeketten. Unterwegs füllen wir alle Betriebsmittel nach, Wasser, Diesel und Gas. Kein deutscher Prüfer sollte das Befüllen sehen. Unser mitgebrachter Schlauch mit Anschluss funktioniert aber fast überall. Nebenan wachsen Maulbeeren, einige sind schon reif.

Entlang der Straße denken wir, so manch eine deutsche Tankstelle könnte einen iranischen Architekten vertragen.

 

 

Ich versuche mal die Fahrweise der Iraner in Worte zu fassen.

Zuerst ist es mehr als erstaunlich dass, bei gleicher Einwohnerzahl, es nur 4x soviel Tote im Straßenverkehr wie bei uns gibt. Viele sind mit ihren Motorrädern unterwegs, als Schutzkleidung dient die nachwachsende Haut und bei maximal 100 km/h ist ja ein Helm völlig überflüssig. Eigentlich fahren viele als wären sie alleine auf der Straße unterwegs, sie sind es leider nicht. Im Park von Kerman ist die Hölle los, es ist Freitag und tausende verbringen hier ihren freien Tag. Vollgas durch den Park auf schmalen, zugeparkten Wegen, ob Auto oder Motorrad, ich warte immer auf den Einschlag, freiwillig stellen wir uns auf ein Schotterstück neben der Straße. Meistens passiert nichts, irgendeiner gibt immer nach. Einbahnstraßen sind höchstens eine Empfehlung, an Kreuzungen geht es meistens chaotisch zu. So kommt es manchmal in Sekundenabständen zu beinah-Zusammenstößen. Der typische deutsche “Ich bin im Recht“ Autofahrer würde hier keinen Tag überleben. Mit etwas Voraussicht geht es aber doch und ganz wichtig, man muss wirklich mit der Blödheit einiger rechnen. Ich würde nie vor einem abbiegenden LKW so über die Straße gehen, dass er mich garantiert nicht sieht (Danke Ellen).

 

Das ist hier wohl die Trainingstrecke, das Rennen findet in Indien statt, mal sehen....

 

Die erste Nacht in Kerman verbringen wir im Park, am nächsten Tag wollen wir uns mit Robert und Melanie auf dem Parkplatz des Hotels Akhavan treffen. Emil und Liliana aus der Schweiz stehen schon 3 Wochen hier um ein Visum für die Weiterreise zu bekommen. Sie haben schon über 180 Länder bereist und sind immer noch neugierig. Bei einem Spaziergang fällt uns ein bekanntes Auto auf, Ellen springt auf die Straße um Ulli und Helga zu begrüßen. Unglaublich, die beiden haben wir vor etwa einem halben Jahr in Armenien kennengelernt. Robert und Melanie sind auch da und so verbringen wir einen sehr netten Abend und den anschließenden Tag.

 

 

Der April geht zu ende und wir freuen uns auf den Mai.