Dezember Paraguay, Brasilien, Bolivien

 

Wir fahren nach San Bernardino auf den deutschen Samstagsmarkt.

Wir treffen sehr nette Leute und essen uns ein wenig durch die Stände. Ein paar Kilometer entfernt in Alto gibt es einen vergleichbaren Markt und dort kaufen wir Wurst ein und essen Rippchen mit Kraut und Kartoffelpüree. Chris und Lia haben uns spontan eingeladen in die Wohnanlage Aqua Village zu kommen, zu der sie Zugang haben. Wir genießen den unglaublich großen Pool und schauen uns ihr Grundstück an. In Paraguay gibt es sehr viele Ausländer, vor allem Deutsche. Fünf tausend Euro und ein Führungszeugnis reichen aus um eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen.

 

 

Gegen Abend fahren wir zum Campingplatz HastalaPasta, den jeder Traveller kennt. Die nächsten Tage verbringen wir mit reden, Wäsche waschen und ein paar Kleinigkeiten am Ino erledigen. Am Abend sitzen wir meist gemeinsam mit anderen Travellern am Sundowner Platz und genießen ein kaltes Bier mit tollem Ausblick. Zum Schluss decken wir uns noch mit der selbstgemachten Pasta ein und verabschieden uns von Marion und Rene.

 

 

Wir parken unterwegs neben einem VW LKW, da sieht der Ino kleine aus.

In Asuncion kaufe ich bei einem Ölhändler 16 Liter Öl und schon ist ein Mechaniker unter dem Ino. Ich schaue ihm ein wenig auf die Finger und kontrolliere alle Schrauben, so bin ich halt. Die ganze Sache hat keine 70 Euro gekostet. 

In der Colonia Friesland machen wir einen Halt und schauen uns den Ort an. Sauber aufgeräumt leben hier meist Mennoniten und sprechen immer noch ihr Plattdeutsch. 

 

 

Unglaublich was für LKWs hier unterwegs sind, alleine die Länge ist mehr wie beeindruckend!

Die Grenze nach Brasilien dauert ein wenig da Pass und Zoll-Kontrolle an beiden Seiten verschiedene Stellen sind. Am Flughafen gibt es den brasilianischen Stempel aber die haben schon zu, also übernachten wir einfach davor und erledigen den Rest am nächsten Morgen. Die Ina, unser Moped haben wir schon die letzten Grenzen nicht angegeben, spart Arbeit und es interessiert nicht wirklich jemand. 

 

 

Wir wollen in den Süd Pantanal, das weltweit größte Feuchtgebiet. Es ist heiß und wir schwitzen und wo soviel Wasser ist sind leider die Moskitos nicht weit. Was die mit uns anstellen erfahren wir etwas später. Unterwegs übernachten wir an einer Tankstelle wo die Mangos uns direkt vor die Füße fallen. Ellen macht einen sehr leckeren Mango Lassi daraus, später noch einen Batida de Mango. Nicht nur die Tage sind heiß, der Fahrersitz kann ja über Nacht trocknen, auch die Nächte bringen nur langsam Abkühlung. Tauwetter für Dicke ist angesagt!

In Seu Assis stellen wir uns auf den Campingplatz, keine 5 min vom Platz ist der Rio da Prata und in einer Fluss-kehre eine Art Schwimmbad. Wir holen unsere Schwimmsachen und entfliehen der Mittagshitze ins Wasser. Wir haben in der China Mall auch eine Luftmatratze gekauft und die kommt jetzt zum Einsatz. Wir schwimmen und treiben auf dem wunderschönen Fluss voller Fische. Klares Wasser, dichte Vegetation rundum, so stellt man sich den Amazonas vor. Am Abend hört der Wind auf und es wird wieder sehr warm. Unsere USB Ventilatoren müssen Höchstleistung bringen um unser Haus bis in die Nacht etwas abzukühlen.

 

 

Camping Rio Formoso heißt wie der Fluss in den wir als nächstes springen. Völlig anders als zuvor gibt es hier zwar auch einen Zugang zum Wasser aber keinen Pool. Der ist nebenan im öffentlichen Bad. Wir sind alleine am Wasser und trauen uns in der Strömung an Seilen haltend auf die andere Seite zum Wasserfall. Wir kommen uns ein wenig vor wie wagemutige Eroberer. Müde gehen wir zum Ino und kurze Zeit später kommt auch schon das Hitzegewitter an. 

 

 

Hinter Bonito zweigt die Piste in den Pantanal-Naturpark ab. Schotter, Steine, Sand, alles dabei und über 70 Holzbrücken, die im recht gutem Zustand sind.

Blutspenden im Pantanal!!!

Die Touristen kommen, nicht nur die Moskitos feiern, allerhand beißende und stechende Biester bedienen sich an uns, trotz Spray!

Wir fahren wie auf einem Damm an schönen Seen entlang, überall saftiges grün. Nach eine Brücke biegen wir ab und fahren zur Passo do Lontra Lodge, eine auf Stelzen errichtete Anlage. Abends kühlt es kaum ab, im Ino kochen und essen geht gar nicht, draußen gestaltet sich als eine Art Sport. Eine Million Moskitos wollen auch zu Abend Essen. Am nächsten Morgen laufen wir den auf Stelzen angelegten Pfad durch die Wasserlandschaft.

 

 

Rinderherden werden zu der Verladestation getrieben und auf LKWs verladen.

Wir machen einen Abstecher. Vollgas durch tiefen Sand fahren wir zu ein paar Bäumen in denen sich Tucane und Arras aufhalten sollen. Kaum angekommen fliegen sie in die Bäume und erzählen uns lauthals von ihrem Leben. Es ist noch früh am Tag so entschließen wir uns weiter zu fahren, zumal der Himmel nicht gutes verheißt. 

 

 

Wir kommen an die kleine Fähre und sehen gerade ein Auto auf der anderen Seite auffahren. Keine 5 min später ist die Fähre auch schon da und wir dürfen drauf. 5 min und knapp 20 Euro ist kein Schnäppchen, aber die Alternative ist eine lange staubige Piste. Wir kommen wieder durch eine wunderschöne Landschaft, plötzlich sind Berge um uns herum und es sieht alles sehr fruchtbar aus.

In Corumba fahren wir auf den viel gelobten Campingplatz mit super schönem Ausblick. Als erstes springen wir in den Pool um das kochende Blut zu kühlen, es ist sehr heiß. Der Ausblick ist wirklich genial, beim Sundowner verabschieden wir den heißen Tag. 

 

 

Die Grenze nach Bolivien ist wieder ein Erlebnis. Hunderte warten auf die Abfertigung, und zwar auf beiden Seiten. Nach Stunden in der Hitze haben wir unsere Pässe gestempelt und müssen nur noch das TIP für die Fahrzeuge haben. Das Formular muss online ausgefüllt werden, was eine nette Dame gegen Entgelt für uns erledigt. Ich wohne jetzt in “Stadt Neumünster, der Oberbürgermeister“ und heiße mit dem Nachnamen “deutsch“. Was so alles im Pass steht???

Die nächste Nacht verbringen wir in einem Moskito Trainingscamp. Ein Fluss mit 37° warmen Wasser mitten durch den Urwald sieht echt schön aus aber unglaubliche Mengen von Mossis. Am nächsten Morgen wache ich auf und der ganze Körper brennt. Über 100 Stiche nur in der Nacht, das Wasser schafft eine kleine Abkühlung. Bei mir verschwinden die Stiche und der Juckreiz nach kurzer Zeit, Ellen hat Tage und Wochen davon. 

 

 

Auch hier sehen wir Mennoniten mit ihren typischen Pferdekutschen und der Kleidung.

Kurz vor der Brücke nach Santa Cruz steht der Verkehr. Stundenlang tut sich nichts, die Brücke ist scheinbar gesperrt. In Bolivien wird öfters gestreikt, dann wird einfach die Straße oder Brücke blockiert, am nächsten Morgen war alles wieder offen. Kurz bevor es dunkel wird drehen wir um um fahren ein paar Kilometer zurück nach Pailon, wo wir uns an den schönen Dorfplatz stellen. Wir schlendern durch die Marktstraße und auf dem Rückweg gönnen wir uns ein Abendessen und werden für 3 Euro satt - und das im Restaurant.

Der Eismann gibt dem Eis Farbe und Geschmack nach belieben.

Zwei Melonen für 1,20 Euro, das macht Spaß und schmeckt!

Wir umfahren Santa Cruz auf der Ringstrasse, sehen aber immer wieder sehr belebte Straßenzüge mit Märkten und vielen Geschäften. Über den nächste Polizeiposten, kurz bevor es in die Berge geht, haben wir nichts gutes gehört. Die bolivianische Polizei ist als äußerst korrupt bekannt. Wir werden mit der Pfeife zum Anhalten bewegt und es werden die Papiere kontrolliert. Sie schauen sogar in die Wohnkabine und fragen ob wir Waffen hätten?! Ich gehe mit ins Büro, werde über das Anhalten aufgeklärt, währenddessen kommen immer wieder Fahrer hinein und bezahlen irgendwelche Gebühren. Wir dürfen weiterfahren ohne zu bezahlen.

 

 

Aktualisierung 12.01.19

 

Weiter ging es meist dem Fluss entlang durch eine grüne und bergige Landschaft. In Samaipata gibt es Inka Ruinen und eine schöne Innenstadt in der wir etwas herumstromern. Nette Cafés und Lokale, auf dem Markt kaufen wir Obst ein. Café Tango ist liebevoll dekoriert, wir frühstücken Empanadas und frischen Mangosaft. Auf dem Rückweg kommen uns Kari und Walter entgegen. Wir haben sie schon einmal in Deutschland kurz kennengelernt. Gemeinsam gehen wir noch einmal Kaffee trinken und erzählen. 

 

 

Die Straße ist teils neu ausgebaut aber teils noch im Bau. Trotzdem kommt man gut voran. In Aiquile finden wir eine Tankstelle die uns Diesel direkt in den Tank für 5 Bol verkauft (in Bolivien ist das Diesel subventioniert und kostet 3.72 Bol, Ausländer müssen über 8 Bol bezahlen, was etwas 1.10 Euro entspricht). Im Ort gehen wir über den großflächigen Markt, Ellen kauft ein paar Coca Blätter für ihren Tee, der hilft bei Höhenproblemen ganz gut.

 

 

Wir übernachten an einem kleinen Fluss und waschen den Ino am nächsten Morgen. In Sucre fahren wir mitten durch die Stadt und bekommen schon mal den ersten Eindruck der historische Stadt mit vielen alten schönen Gebäuden, es wird sicher spannend hier herumzulaufen. Wir parken auf dem Mini-Campingplatz von Alberto und Felicidad, und treffen wieder Kari und Walter. Es geht hier schon sehr eng zu, aber die Stimmung ist gut.

Am Abend des 24. wollen wir alle gemeinsam essen, jeder auf dem Camp hat etwas vorbereitet und so wird es ein bunter Abend. 

 

 

Wir erkunden die Stadt, es gibt einiges zu sehen, um die Weihnachtzeit werden die ärmsten der Armen in der Stadt beschenkt, viele kommen von weit her, um ihre Geschenke abzuholen. Die Stadt gefällt uns sehr gut, alles zu Fuß erreichbar, viel kleine Geschäfte und eine lebhafte Markthalle.

Auf dem Weg nach La Paz kommen wir auf über 4300 Meter Höhe, es liegt Schnee auf der Straße und die Berge sind weiß. 

 

 

Am Hotel Oberland angekommen sind wir die einzigen Camper auf dem Platz. Gegen Abend kommt Gert vorbei, mit ihm wollen wir am nächsten Tag eine Stadtführung machen. Mal sehen wie das Wetter in der höchstgelegenen Großstadt der Welt morgen wird, es hat wohl hier viel geregnet.

Um 9 Uhr werden wir abgeholt und fahren mit dem Taxi zur ersten Seilbahn. Diese bringt uns, mit umsteigen, über die Dächer der Häuser bis nach El Alto auf den Berg. La Paz hat 5 moderne Seilbahnen, in einer Stadt mit so viel Höhenunterschied das beste Transportmittel. Oben angekommen laufen wir zum Aussichtspunkt und haben einen schönen Blick über die riesige Stadt. Mit dem Taxi fahren wir zum Hexenmarkt und sehen viele Stände an denen die zahlreichen Schamanen einkaufen. Getrocknete Lama Föten hängen überall. Eine ganze Reihe kleiner Buden mit Werbung der Schamanen weißt auf ihre Fähigkeiten hin. Schamanen haben in der peruanischen Gesellschaft eine sehr hohe Akzeptanz. Weiter geht es in den alten Stadtkern mit einer alten Gasse und anschließend den Platz im Zentrum. Wir bekommen ganz viel Informationen über Bolivien, seine Geschichte, die Einwohner mit ihren Riten und vieles mehr. Erst am Abend sind wir zurück im Ino. Durchgefroren gehen wir duschen und essen ein paar Nudeln bevor wir ins Bett fallen.

 

 

Ellen hat sich gestern eine nette Erkältung eingefangen. Wir halten in der Stadt noch am Supermarkt an und dann geht es los zum Titikaka-See. Es ist Sonntag und die Straßen sind voll. Langsam schleppen wir uns durch die Stadt, oben angekommen denke ich das war's, da ging der Stau erst richtig los. Tausende von Minibussen stehen hier herum, blockieren die Straße auf der Suche nach Fahrgästen. Fast zwei Stunden dauert es, bis wir aus der Stadt sind. Über gut ausgebaute Autobahn geht es weiter. Am See halten wir an einem Museum an, hier wurden die Schilf-Boote mit denen Thor Heyedahl die Welt umsegelt hat, zum teil gebaut. Wir kaufen ein kleines aber süßes Exemplar und fahren weiter zur Fähre. Mit einem kleinen Außenborder schafft der Ponton die Überfahrt, eigentlich dachte ich, diese Boote können nur kleinere Fahrzeuge bewegen, als ich dann einen Reisebus sehe sind wir doch etwas entspannter und fahren auf das kleine Floss.

 

 

Wir laufen in die Innenstadt von Capacobana am Titicacasee und schlendern durch die Gassen. (Ich finde der Name hört sich echt schön an). Ellen kauft ein paar Geschenke am zentralen Platz. Dort findet auch die Segnung der Autos statt. Ein Verkaufsstand neben dem anderen bieten alles um die Wagen zu schmücken. Ein Priester segnet die in langen Warteschlangen anstehenden Fahrzeuge, natürlich geht er nicht mit leeren Taschen nach Hause.

Die Bolivianer sind bei weitem nicht so gastfreundlich wie ihre Nachbarn. Wir werden auch schon mal des Ladens verwiesen, nachdem wir nach einem kleinen Preisnachlass fragen! Gringos sind Nord-Amerikaner und nicht wirklich gern gesehen und uns steht es nicht auf der Stirn geschrieben woher wir kommen. Auf dem Rückweg essen wir in einem der zahlreichen Restaurants. Für umgerechnet 2,5 Euro bekommen wir ein Menü mit Salat, Suppe, Forelle und Hühnerschnitzel und ein Nachtisch. In Copacabana verbringen wir auch den Silvesterabend, die Stadt ist vom Feuerwerk erleuchtet und wir denken uns, war für ein tolles Jahr wir hinter uns haben!

 

Zunehmend sehen wir auch die nicht so schönen Seiten Südamerikas. Umweltschutz ist ein Fremdwort und hier steht kein Stein mehr auf dem anderen. Überall wird die Erde aufgewühlt um den Hunger der Welt nach Bodenschätzen zu decken. In Bolivien werden täglich Millionen von Litern Grundwasser aus dem Boden gepumpt um Lithium für die Elektromobilität in Europa zu gewinnen. Die Kirchen sind immer die größten Gebäude im Ort, die Kirche hat immer noch sehr viel Macht und Geld, aber auch die Kolonialmächte haben hier nicht viel Gutes hinterlassen!